Um dem auf den Grund zu gehen, reisten 16 kambodschanische Bildungsexpertinnen und -experten für ein dreiwöchiges, intensives Praktikum nach Deutschland. Zur Delegation gehörten Lehrkräfte sieben verschiedener Berufsschulen ebenso wie Entscheidungsträger aus dem kambodschanischen Bildungsministerium. Vor Ort tauchte die Gruppe tief in das deutsche System der beruflichen Bildung ein.
Besonders der in Deutschland etablierte Lernfeldansatz erwies sich dabei als spannend. Er könnte ein vielversprechender Weg sein, um kambodschanische Curricula praxisnäher auszurichten und die Reform der technischen Bildung weiter voranzubringen. Im Mittelpunkt stand deshalb ein klares Ziel: Die Teilnehmenden sollten ein erweitertes Verständnis von der Rolle der Lehrkräfte in der Berufsbildung gewinnen und erleben, wie betriebsnaher, praxisorientierter Unterricht an Berufsschulen konkret aussehen kann.
Der offizielle Auftakt fand am 9. Februar im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn statt. Gemeinsam mit Seiner Exzellenz Dr. Im Koch, Staatssekretär des kambodschanischen Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, wurde die Gruppe dort empfangen. Die Gäste erhielten wertvolle Einblicke in die Arbeit des BIBB und die Rolle des Ausbildungspersonals an überbetrieblichen und betrieblichen Lernorten. Auch die Mitwirkung in Prüfungsausschüssen der zuständigen Stellen wurde thematisiert. Vertieft wurden diese Eindrücke durch Besuche im überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Handwerkskammer Koblenz, bei der IHK Rhein-Sieg sowie in den Unternehmen Hitachi Energy und ZERA.
Anschließend übernahm das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) die Betreuung der Gruppe in der Hansestadt. Bei Besuchen verschiedener Berufsschulen stand vor allem die Rolle der Lehrkräfte im Mittelpunkt. Ein Highlight war der Besuch der Beruflichen Hochschule Hamburg. Dort konnten die Teilnehmenden eindrucksvoll erleben, wie die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung in der Praxis gelebt wird. Abgerundet wurde das Programm durch lebhafte Diskussionen zur Lehrkräftebildung im gewerblichen Bereich an der TU Hamburg-Harburg.
Zum Abschluss kehrte die Gruppe für weitere praxisnahe Gespräche ins BIBB zurück. Gemeinsam wurden Ideen entwickelt, wie sich praxisorientiertes Lernen erfolgreich in kambodschanischen Lehrplänen verankern lässt und welche weitere Unterstützung dafür im Twinning-Projekt notwendig ist. Denn eines ist klar: Neue Curricula auf dem Papier sind nur der Anfang. Entscheidend sind Lehrkräfte, die fachlich stark sind, Veränderungen mittragen und Unterricht mit Leben füllen.
Trotz – oder vielleicht gerade wegen – Schnee und Kälte war die Begeisterung der kambodschanischen Gäste deutlich zu spüren. Mit wie viel Offenheit, Interesse und Energie die Partner diese neuen Impulse aufgenommen haben, zeigt auch unser Video-Rückblick.
Neugierig geworden? Dann schauen Sie sich hier das Video an und lassen Sie sich von den Eindrücken dieses besonderen Aufenthalts inspirieren.