Fünf Jahre intensive Zusammenarbeit im Baustoffsektor zwischen der Ghana Standards Authority (GSA) und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) haben dazu beigetragen, die öffentlichen Prüflabore Ghanas im Bereich Baustoffe und Bauchemie gezielt zu stärken, Prüf- und Standardisierungsprozesse weiterzuentwickeln sowie nachhaltige Baupraktiken systematisch zu fördern. Eingebettet war diese Zusammenarbeit in eine internationale Verwaltungspartnerschaft zwischen dem Ministry of Trade, Agribusiness and Industry in Ghana und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Die Zusammenarbeit war von beachtlichem Erfolg geprägt: Im Verlauf der Partnerschaft wurden erhebliche Fortschritte bei der Modernisierung der Laborausstattung, der Schulung des Fachpersonals sowie der Intensivierung von Stakeholder-Konsultationen erzielt. Bestehende Standardisierungsprozesse wurden analysiert und optimiert, um die institutionellen Kapazitäten der GSA nachhaltig zu stärken.
Ein Ergebnis, das sich sehen lässt
Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts lag auf der Einführung leistungsbasierter Standards für Zement und chemische Zusatzstoffe, um die GSA als führende Institution in regionaler und globaler Standardisierung zu positionieren. In diesem Kontext wurde insbesondere der moderne LC3-Zementstandard vorangetrieben, der unter anderem den Einsatz von lokal verfügbarem kalziniertem Ton berücksichtigt. Er vereint somit ökonomische und ökologische Vorteile.
Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung des „Practical Handbook for Safe, Smart and Durable Construction in Ghana“. Dieses praxisorientierte Handbuch vermittelt sichere und gute Praktiken in verständlicher Sprache und richtet sich insbesondere an Handwerkerinnen und Handwerker, in dem für Ghana und Afrika typischen informellen Bausektor. Außerdem legte die Partnerschaft auf Initiative von Pheladi Tlhatlha, BAM-Projektkoordinatorin, besonderen Wert auf inklusive Entwicklung, etwa durch Initiativen wie den „Girls STEM Day“ und Workshops zur Geschlechtergerechtigkeit, um Frauen in Wissenschaft und Ingenieurwesen zu fördern.
Wissenstransfer in Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit
Mitte März wurden die Ergebnisse der Verwaltungspartnerschaft nicht nur im Rahmen eines Fachsymposiums, sondern auch durch eine Reihe praxisnaher Formate vorgestellt. So wurden zentrale Projektergebnisse in einem praxisnahen Workshop für die lokale Bevölkerung in Jamestown, dem ursprünglichen Stadtkern von Accra, der sich heute zu einem lebendigen, informellen Stadtquartier entwickelt hat, vermittelt und diskutiert. Dabei stand für die informell geprägte Baubranche die praktische Anwendung von Zement im Baualltag für alle Bürgerinnen und Bürger im Vordergrund. Auch der Dialog mit der Wissenschaft wurde gezielt vertieft. So besuchte das Projektteam unter Leitung von Dr. Wolfram Schmidt, BAM, die Koforidua Technical University, eine der führenden technischen Hochschulen des Landes. Dort wurden die im Rahmen der Verwaltungspartnerschaft erarbeiteten Ergebnisse in wissenschaftlichen Präsentationen und Laborarbeiten vorgestellt.
Den offiziellen Abschluss der Verwaltungspartnerschaft markierte ein Fachsymposium mit rund hundert Teilnehmenden aus der örtlichen Bauindustrie, von Ingenieurbüros und öffentlichen Einrichtungen. Das Event wurde vom stellvertretenden Generaldirektor der GSA, Hon. Samuel Abdulai Jabanyite, und dem Leiter des Referates für Internationale Verwaltungspartnerschaften im Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Norbert Schultes, eröffnet.
Ohne die Verwaltungspartnerschaft zwischen der BAM und der GSA wäre der weltweit moderne LC3‑Zement‑Standard nicht entstanden, so die Teilnehmer des Symposiums. Die öffentlichen Begleitveranstaltungen wurden von den ghanaischen Medien intensiv aufgegriffen. Fernsehen, Radio und Zeitungen berichteten ausführlich über die Ereignisse, wodurch die Sichtbarkeit des Projekts in der breiten Öffentlichkeit deutlich erhöht wurde.